
Das erste sportpolitische Dialogforum des Landessportbundes Bremen (LSB) ist auf regen Anklang gestoßen. Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter der Sportvereine- und Verbände und ein Großteil des LSB-Präsidiums diskutierten mit den anwesenden Politiker:innen und LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt im Veranstaltungszentrum „Kwadrat“ zwei Stunden lang intensiv über den nach Meinung aller Beteiligten zu niedrigen Bremer Sporthaushalt und die damit verbundenen Probleme. Moderiert wurde die Veranstaltung von Janna Betten.
Zu dem vom Publikum ins Spiel gebrachten fraktionsübergreifenden Schulterschluss in Form einer gemeinsamen Absichtserklärung zur Erhöhung der Übungsleiterpauschale kam es zwar (noch) nicht, gleichwohl sagten Hans-Peter Hölscher (SPD), Carolin Güldner (Die Grünen), Cindi Tuncel (Die Linke), Marco Lübke (CDU) und Ole Humpich (FDP) ihre Unterstützung zu und versprachen, sich bei den abschließenden Haushaltsberatungen noch einmal nachdrücklich für den Sport einzusetzen.
„Wir reden letztlich über verdammt kleines Geld, das dem organisierten Sport aber an entscheidenden Stellen fehlt und man muss sich die Frage stellen, welchen Stellenwert der Sport für die Politik überhaupt noch hat. Wir brauchen keine Sonntagsreden mehr, sondern Butter bei die Fische“, sagte LSB-Präsidentin Eva-Quante Brandt mit Blick auf die Lücken im ohnehin seit Jahren stagnierenden Sporthaushalt. Viel diskutiertes Beispiel in diesem Zusammenhang war die im Koalitionsvertrag aufgeführte – in den Haushaltseckwerten des Senats aber nicht mehr berücksichtigte – Erhöhung der Übungsleiterpauschale von 4 auf 5 Euro. Laut Cindi Tuncel, sportpolitischer Sprecher der Bremer Linken, würde eine solche Erhöhung gerade einmal mit Mehrkosten in Höhe von maximal 300.000 Euro verbunden sein. „Daher ist das letzte Wort in Sachen Übungsleitende für mich noch nicht gesprochen. Ich werde mich in den abschließenden Haushaltsberatungen für eine Erhöhung der Pauschale starkmachen.“
Hans-Peter Hölscher (SPD), Sprecher des Arbeitskreises Sport, gab unumwunden zu, dass der Stellenwert und die Wertschätzung des Sports in der Politik generell „nicht stimme“ und zu gering sei. Entsprechend schwer sei es, sich innerhalb der Fraktionen und auch in den parteiübergreifenden Haushaltsberatungen Gehör zu verschaffen. Der sportpolitische Sprecher der CDU, Marco Lübke, verwies in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass das Budget für den Sport seit Jahrzehnten der mit Abstand kleinste Posten im Haushalt des Senats ist.
Lautstarker Widerspruch
Neben der Förderung von Übungsleitenden war die Wertschätzung und Stärkung des Ehrenamts ein zentraler Diskussionspunkt beim Dialogforum. Einigkeit zwischen LSB, Politik und Publikum herrschte darin, dass es angesichts des gesellschaftlichen und demographischen Wandels neue Ansätze und vor allem (finanzielle) Anreize brauche, um die Übernahme eines Ehrenamtes insbesondere für die jüngeren Generationen attraktiver zu machen. Für zum Teil lautstarken Widerspruch aus den Reihen der Vereins- und Verbandsvertreter:innen sorgte Carolin Güldner von den Grünen mit ihrer Aussage, dass es nicht die primäre Aufgabe der Politik sei, Werbung fürs Ehrenamt zu machen und den Sportvereinen kostengünstige Hallennutzungskapazitäten für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. „Ja, wer denn sonst“, hieß es fragend von den Zuschauerplätzen und Norbert Köhler, Vorsitzender des Landeskanuverbandes, entgegnete erbost, dass „Sie als Politikerin die Aufgabe haben, vorzudenken sowie Initiativen und Ideen zu entwickeln und nicht zu warten, bis andere es tun.“
Ihrem Unmut über die mangelnde Ausstattung und Wertschätzung des organisierten Sports machten neben LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt auch Helke Behrendt und Andreas Schnabel vom geschäftsführenden LSB-Präsidium Luft. Während Behrendt vehement die seit Jahrzehnten „unhaltbaren und unglaublich schlechten“ Zustände der Bremer Sportinfrastruktur anprangerte („Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie ein Eigentümer sein Eigentum so zu Grunde richten kann, dass keinerlei Möglichkeit mehr besteht, dort Sport zu treiben. Und wir reden hier nicht nur von den Sporttreibenden in der Stadt Bremen, sondern auch von Kindergarten- und Schulkindern“), rechnete der beim Landessportbund für Finanzen zuständige Andreas Schnabel vor, mit welch vergleichsweise minimalen finanziellen Aufwand die Politik dem organisierten Sport unter die Arme greifen könnte.
Mit wenig Geld viel Bewirken
„Im Rahmen des Sozialprojekts „Kids in die Clubs“ wurden im vergangenen Jahr 177 Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, Mitglied in einem Sportverein zu werden. Dieses Jahr müssen wir den Betrag auf 15 Euro im Monat erhöhen, das sind drei Euro pro Person mehr als 2023. Wir reden hier also über schlappe 6372 Euro, die wir jetzt durch Spenden irgendwo herkriegen müssen. Wenn diese 6372 Euro nicht drin sind, brauchen wir über andere Beträge gar nicht mehr zu reden“, so Schnabel. Darüber hinaus konfrontierte er die anwesenden Politiker:innen mit der Frage, ob sie die vom Landessportbund vorgesehene Personalstelle für „Vereinsberatung“ (finanziell) unterstützen würden. Laut Schnabel kostet so eine Stelle, die von allen Beteiligten des Dialogforums für sinnvoll erachtet wurde, den LSB pro Jahr inklusive Arbeitgeberanteil rund 65.000 Euro. „Ich bin mir absolut sicher, dass durch eine solch übergeordnete Beratungsstelle für alle Sportvereine im Land Bremen pro Jahr das Zehnfache an Fördermitteln – sei es vom Bund oder über Stiftungen – generiert werden könnte. Die 65.000 Euro wären also gut investiert, um mit relativ wenig Geld viel zu bewirken.“
Gemeinsamer Streik und offener Brief
Einen interessanten Vorschlag, wie sich die Sportvereine mehr Gehör gegenüber der Politik verschaffen könnten, brachte Raimund Kasper vom Kreissportbund Bremen-Nord ins Spiel. Kasper schlug vor, dass alle Sportvereine sich zusammentun und im Sommer eine Woche lang „streiken“ sollten. So könne man öffentlichkeitswirksam dokumentieren, was dann alles wegbricht in der Gesellschaft und schauen, wie die Politik auf einen solchen „Streik“ reagiere.
LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt versprach den anwesenden Vereins- und Verbandsvertreter:innen, der Politik auch weiterhin genau auf die Finger zu schauen und die beim Dialogforum diskutierten Belange des organisierten Sports in Form eines offenen Briefs an die politischen Verantwortlichen im Land Bremen noch einmal zu unterstreichen. „Auf sich aufmerksam machen ist ein guter und richtiger Ansatz. Deshalb werden wir dem Sportamt und den politischen Parteien unsere finanziellen Forderungen im Hinblick auf den neuen Haushalt noch einmal konkret aufschlüsseln und zukommen lassen“, so Quante-Brandt.




