
Der Landessportbund Bremen sieht die Überlegungen zur Abschaffung von Minijobs im Rahmen der geplanten Reform der Alterssicherung mit großer Sorge. Die vorgeschlagenen Änderungen könnten erhebliche Auswirkungen auf den organisierten Sport haben und die Gewinnung sowie Bindung von Trainerinnen, Trainern und Übungsleitenden zusätzlich erschweren.
Die Reform der Alterssicherung zählt zu den zentralen politischen Vorhaben der kommenden Jahre. Das Ziel, die soziale Absicherung von Beschäftigten zu verbessern und das Rentensystem zukunftsfest aufzustellen, wird vom organisierten Sport ausdrücklich unterstützt. Kritisch bewertet der Landessportbund Bremen ebenso wie andere Landessportbünde jedoch die Empfehlung der Alterssicherungskommission, geringfügige Beschäftigungen künftig grundsätzlich wie reguläre Arbeitsverhältnisse zu behandeln und den Minijob weitgehend abzuschaffen.
Besondere Bedeutung von Minijobs
Bundesweit sind rund 143.000 Menschen auf Minijob-Basis im Sport beschäftigt. Viele von ihnen engagieren sich neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung als Übungsleitende, Platzwarte, Hausmeister oder Bürokraft in Sportvereinen und leisten mit ihrem Engagement einen unverzichtbaren Beitrag zum Vereinsleben.
Gerade im Sport kommt dem Minijob in Verbindung mit der Übungsleiterpauschale eine besondere Bedeutung zu. Dieses Modell ermöglicht es gemeinnützigen Sportvereinen, Übungsleiterinnen und Übungsleitern mit vergleichsweise geringem bürokratischem Aufwand eine angemessene finanzielle Anerkennung für ihr Engagement zu gewähren. Für viele Vereine bildet diese Kombination seit Jahren einen wichtigen Baustein ihrer Personalstruktur.
Verschlechterung der Rahmenbedingungen fürs Ehrenamt
Fiele der Minijob in seiner bisherigen Form weg, würden sich die Rahmenbedingungen spürbar verändern. Für viele Engagierte könnte das verfügbare Nettoeinkommen sinken, während gleichzeitig der administrative Aufwand sowohl für die Vereine als auch für die Übungsleitenden steigen würde.
Die Sorgen des organisierten Sports sind nicht unbegründet. Bereits heute stellt der Mangel an ehrenamtlich Engagierten viele Vereine vor große Herausforderungen. Nach dem aktuellen Sportentwicklungsbericht sehen fast 60 Prozent der Sportvereine die Gewinnung und Bindung ehrenamtlicher Funktionsträgerinnen und Funktionsträger als ihre größte Herausforderung. Mehr als jeder sechste Verein sieht seine Existenz sogar durch den Mangel an Ehrenamtlichen gefährdet.
DOSB fordert Ausnahmeregelung für den Sport
Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) warnt deshalb vor den möglichen Folgen einer Abschaffung der Minijobs. Aus Sicht des DOSB würde die Reform ihr Ziel, zusätzliche reguläre Beschäftigung zu schaffen, im Sport weitgehend verfehlen, da viele Betroffene bereits einer Hauptbeschäftigung nachgehen oder dem Arbeitsmarkt aufgrund eines Studiums oder des Ruhestands nicht in größerem Umfang zur Verfügung stehen.
Der DOSB schlägt daher vor, die vorgesehenen Ausnahmeregelungen nicht nur für Schülerinnen und Schüler gelten zu lassen, sondern auch auf Studierende, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung auszuweiten. Alternativ könnte eine eigenständige Bereichsausnahme für gemeinnützige Organisationen geschaffen werden.
Appell an die Politik
Der Landessportbund Bremen unterstützt diese Forderungen und appelliert an die politisch Verantwortlichen, die besonderen Rahmenbedingungen des gemeinnützigen Sports im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu berücksichtigen. Eine Reform der Alterssicherung kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie soziale Sicherheit stärkt, ohne das Ehrenamt und die Leistungsfähigkeit der Sportvereine zu gefährden.




