Das sportpolitische Dialogforum des Landessportbundes Bremen (LSB) ist auf großes Interesse gestoßen. Rund 70 Vertreterinnen und Vertreter der Sportvereine- und Verbände und ein Großteil des LSB-Präsidiums diskutierten mit den politischen Parteien und LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt im Veranstaltungszentrum „Kwadrat“ über die vom Landessportbund im Vorfeld der Bundestagswahl aufgestellten sportpolitischen Forderungen. Konkrete Zusagen von Muhammet Tokmak (SPD), Michael Labetzke (Die Grünen), Dario Hassanpour (Die Linke), Thomas Röwekamp (CDU) und Sebastian Kusch (Bündnis Deutschland) blieben erwartungsgemäß zwar aus. Gleichwohl waren sich die anwesenden Politiker einig, dass der organisierte Sport insbesondere in finanzieller Hinsicht mehr Unterstützung benötigt, um seinen vielfältigen Aufgaben nachzukommen.

Moderator Rasmus Cloes eröffnete die Diskussionsrunde mit einer provokanten Bemerkung zum allgemeinen Stellenwert des Sports in Deutschland. „Im Wahlomat zur Bundestagswahl taucht nicht eine Frage zum Sport auf. Ist Sport nicht so wichtig?“, fragte Cloes in Richtung der Politiker. Während Thomas Röwekamp von der CDU auf die Verantwortung der Bundeszentrale für politische Bildung für die Auswahl der Wahlomat-Themen verwies („Darauf haben wir keinen Einfluss.“), entgegnete Michael Labetzke von den Grünen, dass es im Wahlomat sehr wohl eine Frage zum Sport gebe – zum Thema Ehrenamt. „Das ist eine Sache, die natürlich auch den Sport betrifft. Zudem gibt es im Bundestagswahlkampf viele weitere Fragen, die den Sport zumindest indirekt konkret betreffen.“ Als Beispiel führte Labetzke den Klimaschutz an. „Das Thema Energiekosten spielt in den Sportvereinen eine ganz große Rolle. Da muss die Politik natürlich ran“, so Labetzke.
Milliardeninvestitionen im Bereich Sportinfrastruktur nötig
Auch beim Thema Sportinfrastruktur sehen alle Beteiligten Handlungsbedarf. LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt brachte beim Dialogforum eine Neuauflage des „Goldenen Plans“ ins Spiel, einem 2023 ausgelaufenen Bundesprogramm zur Sanierung öffentlicher Einrichtungen. „Meine Frage wäre, ob sich die Politik für ein solches Bundesprogramm – wie auch immer es letztlich heißen mag – einsetzen wird, um die dringend benötigte Entlastung der Länder und Kommunen voranzutreiben“, so Quante-Brandt. Weit aus dem Fenster mit seiner Antwort lehnte sich Michael Labetzke: „Deutschland ist ein unglaubliches reiches und wohlhabendes Land, die Vermögen wachsen enorm. Ich glaube daher, dass man aus dem Bundeshaushalt sehr wohl die benötigten Mittel für den Sport und die Vereine aufbringen kann.“ Auch Muhammet Tokmak von der SPD stellte mehr Ressourcen für den Sport in Aussicht. „Uns ist klar, dass wir etwas ändern müssen. Deshalb möchten wir auf Bundesebene unter anderem ein Sportministerium installieren. Inwieweit die vom Deutschen Olympischen Sportbund aufgestellte Forderung nach einer Bundesmilliarde für den Neubau und die Sanierung von Sportstätten angesichts des riesigen Investitionsstaus machbar ist, muss man abwarten“, so Tokmak.
Röwekamp kritisiert Versprechungen zur Finanzierung
CDU-Bundestagsmitglied Thomas Röwekamp reagierte bei der Frage nach der Finanzierung des Sports zurückhaltender. „Dass ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren in der Regierungsverantwortung sind, jetzt allen alles versprechen, ist schon sehr einfach. Warum haben Sie es denn nicht schon lange gemacht?“, fragte Röwekamp in Richtung SPD und Grüne. Er gestand ein, dass es ein Finanzierungsproblem bei der Sanierung von Sportstätten gibt. Dass der Bund allein für die notwendigen Investitionen in Milliardenhöhe aufkomme, werde aber nicht funktionieren. „Letztlich ist das eine Frage der Prioritäten. Wir müssen wir uns fragen, was ist uns der Sport wert und ich persönlich bin der Meinung, dass das Thema aufgewertet werden muss.“ Dario Hassanpour (Die Linke) wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Möglichkeiten für eine entsprechende Finanzierung da seien. Im Wahlprogramm seiner Partei sei exakt aufgeführt, wieviel Geld bestimmte Maßnahmen kosten und was sie einbringen würden. „Die Politik muss es nur wollen“, so Hassanpour.
Politiker sehen Handlungsbedarf auf vielen Ebenen
Neben der Sportstättenproblematik, unter die auch das wichtige Thema „Inklusion im Sport“ fällt (insbesondere was barrierefreie Zugänge zu Sportanlagen angeht, besteht bundesweit dringender Handlungsbedarf), waren auch die bessere Förderung von Übungsleitenden durch eine Erhöhung der Ehrenamts- und Übungsleiterpauschale sowie der Bürokratieabbau zur Entlastung der Vereine und die Stärkung des Ehrenamts zentrale Diskussionspunkte beim LSB-Dialogforum. Ebenso das Thema Freiwilligendienste. Auch hier signalisierten die politischen Vertreter Gesprächsbereitschaft und versprachen, sich für eine (finanzielle) Verbesserung im Sinne des Sports einzusetzen. Thomas Röwekamp schlug im Zusammenhang mit den Freiwilligendiensten die Einführung eines allgemeinen, verpflichtenden Dienstjahres vor, das unter anderem auch dem organisierten Sport zugute käme.
Erweiterung des THW-Gesetzes auf den Sport ins Spiel gebracht
Die von LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt ins Spiel gebrachte Erweiterung des THW-Gesetzes auf die Ehrenamtlichen im Sport stieß ebenfalls bei allen Parteien auf offene Ohren. „Ein solches Gesetz wäre eine große Entlastung für den Sport und eine nachhaltige Stärkung des Ehrenamts. Inwieweit sich das konkretisieren lässt, müssen wir abwarten. Als Landessportbund werden wir in dieser Sache wie bei allen anderen sportpolitischen Forderungen weiter am Ball bleiben“, so Quante-Brandt.
Schnelle Verabschiedung des Sportfördergesetzes gefordert
Das gilt auch für die Themen „Safe Sport“ und „Ganztag“. „Es freut mich, dass die Parteien daran interessiert sind, dass zum Thema Ganztag eine Programmatik entwickelt wird, die Bund, Länder und Kommunen miteinander verbindet und stärkt“, sagte Eva Quante-Brandt. Zum Thema Leistungssport brachte die LSB-Präsidentin zum Abschluss der Diskussionsrunde noch eine Bitte ein. „Um finanzielle Klarheit für den Bereich Leistungssport – und dazu zählt auch unser Bundesstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik in Bremen – zu schaffen, muss das bereits ausgearbeitete Sportfördergesetz jetzt möglichst zügig verabschiedet werden. Zudem wünschen wir uns als Landessportbund, dass künftig sowohl olympische als auch nicht-olympische Sportarten gestärkt werden.“
Eine Übersicht mit den sportpolitischen Forderungen des Landessportbundes Bremen zur Bundestagswahl 2025 finden sie hier.




