Mit einer feierlichen Galaveranstaltung vor über 400 Zuschauern im GOP Varieté-Theater hat das Bundesland Bremen seine besten Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2023 geehrt. Bei der Sportgala, die von der Sportstiftung Bremen und dem Landessportbund Bremen initiiert wird, sind die Bremerhavener Eishockey-Überflieger der Fischtown Pinguins zur Mannschaft des Jahres gekürt worden. Zudem stellen die Fischtown Pinguins mit Thomas Popiesch den Trainer des Jahres. Die Einzeltitel gingen an die Deutsche Meisterin im Gravelbike, Carolin Schiff, und Formationstänzer Thomas Friedrich vom Grün-Gold-Club Bremen. Der 46-Jährige ist seit über dreißig Jahren Teil des Bremer Erfolgsteams und wurde unter anderem zwölfmal Weltmeister, viermal Europameister und 17-mal deutscher Meister.

„Diese Auszeichnung bedeutet mir unglaublich viel. Ich habe mir das schon seit Jahren gewünscht, hier mal als Einzelsportler ausgezeichnet zu werden“, sagte der frischgebackene Sportler des Jahres bei Standing-Ovations des begeisterten Gala-Publikums. Trotz der weltweit über 200 absolvierten Tanzturniere sei für ihn noch lange nicht Schluss. „Es geht immer weiter – mit Vollgas“, so Friedrich. Auch die Sportlerin des Jahres 2023 war von ihrer Auszeichnung überwältigt. „Das war schon eine große Überraschung und ich bin sehr dankbar und stolz auf diesen Titel – besonders weil er aus meiner Heimatstadt kommt“, freute sich Carolin Schiff. Für Raunen und Staunen im Publikum sorgte die 38-jährige Bremerin mit ihrer Aussage, dass Marathon-Radrennen von über 12 Stunden keine große Sache für sie seien. „Die 12 Stunden gehen eigentlich ziemlich schnell rum. Ich bin einfach dafür gemacht und habe unglaublich viel Spaß auf dem Rad“, so die Gravelbikerin.

Tolle Erfolge im Bereich Nachwuchs und Behindertensport

Vor der mit Spannung erwarteten Verkündung der Sportlerin, des Sportlers und der Mannschaft des Jahres wurden auch die bereits bekannten Gewinnerinnen und Gewinner in den Kategorien Nachwuchsförderpreis Mannschaft, Nachwuchsförderpreis Individual, Trainer des Jahres und Behindertensportler des Jahres auf großer Bühne geehrt. Zum Behindertensportler des Jahres wurde Blindensportler Mohammed Taher Alharari von Bremen 1860 gekürt, der im sogenannten Showdown – auch Tischball genannt – überaus erfolgreich ist und bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille gewann. Der sichtlich gerührte Blindensportler hatte für seine beeindruckenden Leistungen eine emotionale Erfolgsformel parat, die für großen Applaus des Publikums sorgte. „Hinter jedem Erfolg steckt eine starke Frau“, gestand der 51 Jahre alte Libyer.

Der Nachwuchsförderpreis im Bereich Mannschaft ging in diesem Jahr an die beiden Kanusportler Danylo Zhovnovsky und Fabian Mosen vom Verein für Kanusport Bremen, die im Sommer 2023 bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften aufhorchen ließen. Zhovnovskyi, der erst mit Beginn des Ukraine-Krieges zum Verein kam, gewann mit seinem Trainingspartner unter anderem die Goldmedaille im Kajak-Zweier über 1.000 Meter. Der Nachwuchsförderpreis Individual wurde in diesem Jahr an Ruderer Leo Fischer vom Bremer Sport-Club vergeben. Der 2,02 Meter große und fast 100 Kilogramm schwere Hüne mit der Schuhgröße 53 holte im Sommer 2023 im deutschen Junioren-Achter die Silbermedaille bei der U19-Weltmeisterschaft in Paris.

Mehr Geld für den Leistungssport gefordert

Neben den zahlreichen Ehrungen wurde bei der Bremer Sportgala auch über Geld und sportpolitische Belange geredet. LSB-Präsidentin Eva Quante-Brandt unterstrich, dass der Leistungssport im Land Bremen deutlich mehr Fördermittel brauche als die von der Politik bereitgestellten 250.000 Euro pro Jahr, um auf Dauer konkurrenzfähig zu sein. „Für all das, was von diesem Geld abgedeckt werden soll – inklusive Individual- und Verbandsförderung – ist das viel zu wenig. Zumal von den 250.000 Euro alleine 50.000 Euro für das neue Sportinternat vorgesehen sind“, sagte Quante-Brandt, die darüber hinaus kritisierte, dass ausschließlich olympische Sportarten gefördert würden. „Wenn ich mir anschaue, wer hier heute alles geehrt wird und wie viel Herzblut und Leidenschaft die Athtletinnen und Athleten investieren, dann sind das nicht nur Olympische Sportarten. Unsere erfolgreichen Tänzerinnen und Tänzer aus Bremen und Bremerhaven beispielsweise bekommen nicht einen einzigen Cent. Das geht nicht und wird dem Stellenwert des Sports in keiner Weise gerecht“, so Quante-Brandt.

Auch zum (Reiz)Thema Sportinfrastruktur äußerte sich die Präsidentin des Landessportbundes ausführlich. So unter anderem zu ihrem „Lieblingsthema“ Galopprennbahn. „Wir haben einen Plan für das Gelände und alle wollen eine Mehrzweckhalle samt umliegenden Sportplätzen. Das Problem ist nur: Alle wollen, aber keiner macht! Dieses Dilemma müssen wir unbedingt auflösen – möglichweise auch mit Hilfe privater Investoren“, forderte Quante-Brandt. Der Leistungs- aber auch der Breitensport brauche die dort vorgesehene Eventhalle mittlerer Größe als (kostengünstige) Alternative zur ÖVB-Arena ebenso wie eine Bezirkssportanlage. „Wir als Landessportbund werden jedenfalls alles tun, damit es mit der Galopprennbahn endlich voran geht“, so Quante-Brandt.

Positive Bilanz der Sportstiftung

Peter Gagelmann, Vorsitzender der Sportstiftung Bremen, blickte zu Beginn der Sportgala positiv auf das Sportjahr 2023 zurück. „Wir als Sportstiftung haben im vergangenen Jahr mit 40.000 Euro so viel Fördermittel wie nie zuvor ausschütten können“, sagte der Vorsitzende der Sportstiftung. „Dafür sind wir dankbar und stolz“, sagte Gagelmann und kündigte für das laufende Jahr neue Projekte an. So sollen in Bremen im Frühjahr unter Federführung der Sportstiftung gleich zwei neue Sportflächen eröffnet werden, die von einem anonymen privaten Spender finanziert wurden.

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