Der DOSB-Ethikbeauftragte Thomas de Maizière hat bei der DOSB-Mitgliederversammlung in Frankfurt angeprangert, wie schlecht der organisierte Sport bisweilen gegen Machtmissbrauch vorgeht. Insgesamt 15 Vorwürfe seien im vergangenen Jahr an die DOSB-Ethikkommission herangetragen worden, so de Maizière. Zu den Themen Missbrauch, Kindeswohlgefährdung, Nominierungsstreitigkeiten, Diskriminierung und Verbandsführung habe man den Betroffenen erneut sagen müssen, dass die DOSB-Ethiker nicht zuständig seien, sondern die Fachverbände, in denen sich die Vorfälle ereignet haben sollen. Dort gebe es aber „überhaupt gar keine Struktur“, kritisierte de Maizière. Oder die Betroffenen misstrauten den Strukturen, weil diese mit den Beschuldigten vernetzt sein könnten.

Thomas de Maizière sah sich im Bericht der DOSB-Ethikkommission zu einer „dringenden Mahnung“ genötigt. Zwar könnten sich die 102 Mitgliedsverbände des DOSB seit zwei Jahren einer „Zentrale Hinweisstelle“ des Dachverbands anschließen. Dort würden unabhängige Rechtsanwälte Vorwürfe prüfen, auch solche, die sich gegen Strukturen in Verbänden richteten. Dass sich derzeit nur 25 Verbände dieser Stelle angeschlossen haben, sei aber „vollständig unbefriedigend und nicht akzeptabel“, sagte de Maizière. So werde jedes Opfer im Sport derzeit nicht einmal auch nur angehört.

Darüber hinaus habe der organisierte Sport Nachholbedarf dabei, sich einen Überblick über frühere Fälle von Missbrauch zu verschaffen und ein Klima zu schaffen, das Opfern Gehör schenke und Menschen sensibilisiere. Andere große Organisationen wie die Kirche, so de Maizière, seien in dieser Hinsicht weiter als der organisierte Sport. Ein Video der Rede von Thomas de Maizière bei der DOSB-Mitgliederversammlung gibt es hier: 22. DOSB-Mitgliederversammlung 2025 aus Frankfurt/Main – YouTube

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