Menschenmenge protestiert auf der Straße, zentral im Foto ist eine Regenbogen-Flagge

Sportvereine sollen Orte sein, an denen sich alle Menschen willkommen fühlen und gleichberechtigt am Sport teilnehmen können. Eine aktuelle Studie zur Situation von trans*, inter* und nicht-binären (TIN) Menschen im Bremer Sport zeigt jedoch, dass zwischen diesem Anspruch und den bestehenden Strukturen noch Entwicklungspotenzial besteht.

Die Untersuchung wurde von Amelie Retzlaff im Auftrag des Landessportbundes Bremen durchgeführt und beleuchtet, wie Sportvereine und -verbände mit geschlechtlicher Vielfalt umgehen.

Offenheit trifft auf strukturelle Hürden

Die Ergebnisse zeigen zunächst ein positives Bild: 81 Prozent der befragten Vereine und Verbände geben an, dass TIN-Personen grundsätzlich in allen Sportarten mittrainieren können. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich diese Offenheit bislang nur selten in konkreten Maßnahmen oder sichtbaren Signalen widerspiegelt.

So bieten lediglich 25 Prozent der Vereine in ihren Anmeldeformularen eine dritte Geschlechtsoption oder die Möglichkeit, kein Geschlecht anzugeben. Gerade dieser erste Kontakt mit einem Verein kann für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen entscheidend sein. Auch in der Außenkommunikation besteht Handlungsbedarf: Nur 8 Prozent der Vereine informieren ihre Mitglieder aktiv über Verhaltenskodizes. Lediglich 11 Prozent positionieren sich öffentlich gegen Diskriminierung.

Vielfalt beginnt bei kleinen Veränderungen

Die Studie zeigt, dass bereits vergleichsweise einfache Maßnahmen dazu beitragen können, Sportvereine offener und vielfältiger zu gestalten. Dazu gehören beispielsweise Informationsmaterialien zu geschlechtlicher Vielfalt, Bildungs- und Austauschformate für Vereine und Übungsleitende sowie Angebote zur Stärkung queerer Sportler:innen.

Darüber hinaus empfiehlt die Studie, Mitarbeitende und Ehrenamtliche stärker für den Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt und intersektionaler Diskriminierung zu sensibilisieren. Auch eine engere Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen kann dabei helfen, passende Maßnahmen zu entwickeln und beispielsweise EU-Fördermittel für entsprechende Projekte zu erschließen.

Mehr Teilhabe stärkt den gesamten Verein

Die Ergebnisse machen deutlich: Geschlechtliche Vielfalt mitzudenken kommt nicht nur trans*, inter* und nicht-binären Menschen zugute. Eine offene und respektvolle Vereinskultur stärkt den Zusammenhalt, baut Barrieren ab und macht Sportvereine insgesamt attraktiver für ein breiteres Spektrum an Mitgliedern. So kann der organisierte Sport seinem Anspruch, ein Ort der Teilhabe für alle zu sein, noch besser gerecht werden.

Die komplette Studie zum Download:

Studie zur Situation von trans*, inter* und nicht-binären Menschen im Bremer Sport – Landessportbund Bremen

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